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Schädlings-Lexikon Cannabis

Kompakter Überblick über häufige Schädlinge an Cannabispflanzen, mit Symptomen, Monitoring, Prävention und integrierten Gegenmaßnahmen. Sortiert nach Schädlingsart, Risiko und Anbauumgebung.

18 EinträgeMit BildmaterialFilterbar

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Saugende SchädlingeKritisch1 Fotos

Spinnmilben

Tetranychus urticae (Koch, 1836)

Feinste Gespinste und helle Saugpunkte auf Blattoberseiten, exponentielle Ausbreitung bei trockener Warmluft. Populationsverdopplung alle 3–5 Tage unter Optimalbedingungen.

Umgebung: Indoor + Outdoor

Phase: Veg

Größe: 0,3–0,5 mm (Adulte, weiblich)

Lebenszyklus: 7–14 Tage (Ei → Adult bei 25 °C)

Optimalbedingungen: Temp. > 27 °C, RLF < 40 %, trockene Warmluft

Schadensschwelle: ≥ 5 Adulte / Blatt oder sichtbare Gespinste an > 10 % der Pflanzen

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Symptome

  • Punktförmige Aufhellungen auf oberen Blattflächen
  • Feine Gespinste an Blattunterseiten und Triebspitzen
  • Schneller Vitalitätsverlust bei hoher Temperatur

Monitoring

  • Wöchentlich 60x-Lupe an Blattunterseiten
  • Frühwarnkarten nahe Umluft und typischen Wärmeinseln
  • Befallskarte je Zone dokumentieren

Prävention

  • Klimaschwankungen vermeiden (zu heiß/trocken)
  • Neue Pflanzen 10-14 Tage quarantänisieren
  • Regelmäßige Blattunterseiten-Checks

Biologische Maßnahmen

  • Raubmilben (Phytoseiulus persimilis) früh ausbringen
  • Kaliseife- oder Pflanzenölpräparate im Intervall
  • Befallene Fächerblätter selektiv entfernen

Integrierte Strategie

  • Blockweise Zonenbehandlung statt Einzelpflanzen
  • Sprühfolge 2-3 Zyklen im Abstand von 3-5 Tagen
  • Nachbehandlung mit Nützlingsaufbau stabilisieren
Saugende SchädlingeHoch1 Fotos

Thripse (Kalifornischer Blütenthrips)

Frankliniella occidentalis (Pergande, 1895)

Silbrig glänzende Fraßflächen und schwarze Kotpunkte (Faeces). Sehr mobil, Virusvektor (TSWV), Puppenstadien im Substrat erschweren Bekämpfung.

Umgebung: Indoor + Outdoor

Phase: Alle Stadien

Größe: 1,0–1,7 mm (Adulte)

Lebenszyklus: 14–20 Tage (Ei → Adult bei 25 °C)

Optimalbedingungen: 20–30 °C, moderate RLF 50–70 %, Puppenstadien im Substrat

Schadensschwelle: ≥ 5 Adulte / Blauleimtafel / Woche oder sichtbare Silberflecken

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Symptome

  • Silbrige Schabspuren entlang Blattadern
  • Kleine schwarze Kotpunkte auf Blattunterseiten
  • Verkrüppeltes Neuwachstum bei starkem Befall

Monitoring

  • Blaue Leimtafeln in Kronenhöhe
  • Zweimal pro Woche Blattunterseiten prüfen
  • Befallsschwerpunkte an Einlass und Laufwegen kontrollieren

Prävention

  • Saubere Kleidung/Tools zwischen Zonen
  • Netz- und Schleusenhygiene am Eingang
  • Luftbewegung ohne direkte Trockenstress-Zonen

Biologische Maßnahmen

  • Raubmilben (Amblyseius swirskii, cucumeris)
  • Nematoden gegen Puppenstadien im Substrat
  • Milde Kontaktmittel in Rotationsstrategie

Integrierte Strategie

  • Befallsdruck über 2 Lebenszyklen durchbrechen
  • Kombination aus Blatt- und Substratmaßnahmen
  • Nachkontrolle 7 und 14 Tage nach Erstbehandlung
Saugende SchädlingeMittel1 Fotos

Blattläuse

Myzus persicae / Macrosiphum euphorbiae

Kolonien an Triebspitzen mit Honigtau-Ausscheidung und sekundärem Rußtau-Risiko. Parthenogenetische Vermehrung ermöglicht schnellen Populationsaufbau.

Umgebung: Indoor + Outdoor

Phase: Veg

Größe: 1,5–3,0 mm (wingless Adulte)

Lebenszyklus: 7–10 Tage je Generation (parthenogenetisch, bis 12 Nymphen/Tag)

Optimalbedingungen: 15–25 °C, hoher N-Gehalt im Pflanzengewebe, geschützte Standorte

Schadensschwelle: ≥ 1 Kolonie (> 20 Individuen) / Pflanze oder Honigtau sichtbar

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Symptome

  • Koloniebildung an Triebspitzen und Blattstielen
  • Klebriger Honigtau auf Blättern
  • Gekräuselte junge Blätter

Monitoring

  • Visuelle Triebspitzen-Kontrolle
  • Ameisenaktivität als indirekten Hinweis werten
  • Honigtau-Belag dokumentieren

Prävention

  • Lückenlose Hygiene im Mutterpflanzenbereich
  • Stickstoffüberschuss vermeiden
  • Frischmaterial nur nach Quarantäne integrieren

Biologische Maßnahmen

  • Florfliegenlarven und Marienkäfer einsetzen
  • Kaliseife lokal auf Kolonien
  • Befallene Triebteile rückschneiden

Integrierte Strategie

  • Nützlingsbesatz über 2-3 Wochen stabil halten
  • Nachbehandlung auf versteckte Kolonien
  • Honigtauflächen reinigen
Saugende SchädlingeHoch1 Fotos

Weiße Fliegen (Gewächshausmottenschildlaus)

Trialeurodes vaporariorum (Westwood, 1856)

Aufgewirbelte weiße Adulte bei Pflanzenbewegung. Sessile Larvenstadien an Blattunterseiten saugen Phloem. Hohe Honigtau-Produktion mit Rußtau-Folge.

Umgebung: Indoor + Outdoor

Phase: Alle Stadien

Größe: 1,0–1,5 mm (Adulte), Larven 0,3–0,7 mm (sessil)

Lebenszyklus: 21–30 Tage (Ei → Adult bei 22 °C)

Optimalbedingungen: 20–28 °C, RLF 60–80 %, dichtes Blattwerk

Schadensschwelle: ≥ 10 Adulte / Gelbtafel / Woche oder Larvenplatten auf > 5 % der Blätter

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Symptome

  • Flugschwarm bei Berührung der Pflanze
  • Larvenplatten auf Blattunterseiten
  • Rußtau-Risiko durch Honigtau

Monitoring

  • Gelbtafeln in Vegetations- und Blütezone
  • Larvenstadien unter Lupe unterscheiden
  • Befallsklassen pro Tisch erfassen

Prävention

  • Einlasshygiene und Insektenschutznetze
  • Befallsfreie Jungpflanzen sicherstellen
  • Dichte Luftzirkulation im Kronendach

Biologische Maßnahmen

  • Encarsia formosa parasitische Wespen
  • Milde Öle/Seifen in Blattunterseitenrichtung
  • Häufige mechanische Blattreduktion

Integrierte Strategie

  • Kombination aus Nützlingen und Leimtafeln
  • Intervallbehandlungen auf Eier/Larven abstimmen
  • Honigtau-Management gegen Sekundärpilze
Saugende SchädlingeHoch1 Fotos

Schmierläuse (Wollläuse)

Planococcus citri / Pseudococcus longispinus

Wachsbedeckte Kolonien in Blattachseln und Stammknoten. Honigtau-Produktion fördert Rußtau. Wachsschicht erschwert Kontaktmittel-Penetration.

Umgebung: Indoor + Outdoor

Phase: Alle Stadien

Größe: 2,0–5,0 mm (Adulte weiblich, mit Wachsmantel)

Lebenszyklus: 30–50 Tage (Ei → Adult bei 25 °C)

Optimalbedingungen: 22–30 °C, geschützte Nischen, hohe N-Düngung

Schadensschwelle: Jede sichtbare Kolonie → sofortige Maßnahme (null Toleranz in Blütephase)

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Symptome

  • Weiße, watteartige Nester an Knoten und Blattstielen
  • Klebrige Beläge (Honigtau) auf Blättern
  • Wachstumsdepression und verkrümmte Triebspitzen

Monitoring

  • Blattachseln und Stammnahe Zonen mit Lupe prüfen
  • Klebrige Befallsschwerpunkte je Pflanze markieren
  • Ameisenaktivität als Indikator dokumentieren

Prävention

  • Quarantäne für neue Pflanzen und Stecklinge
  • Regelmäßige Hygiene in schwer einsehbaren Knoten
  • Überdüngung und Stressspitzen vermeiden

Biologische Maßnahmen

  • Lokales Entfernen starker Kolonien
  • Kaliseife oder geeignete Ölpräparate punktuell
  • Nützlinge wie Cryptolaemus bei frühem Befall

Integrierte Strategie

  • Befallsherde zonenweise behandeln
  • Wiederholung im 5-7-Tage-Intervall
  • Nachkontrolle über mindestens 3 Wochen
Saugende SchädlingeMittel1 Fotos

Zikaden (Blattzikaden)

Empoasca spp. / Cicadellidae

Sehr mobile Sauger mit charakteristischen punktförmigen Chlorosen (Hopper Burn). Potenzielle Vektoren für Phytoplasmen und Pflanzenviren.

Umgebung: Indoor + Outdoor

Phase: Veg

Größe: 2–4 mm (Adulte), keilförmig, grünlich

Lebenszyklus: 20–35 Tage (Ei → Adult)

Optimalbedingungen: Warme Tage (> 22 °C), Eintrag über Zuluft oder Outdoor-Kontakt

Schadensschwelle: ≥ 3 Adulte / Gelbtafel / Woche oder punktförmige Chlorosen an > 10 % Blättern

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Symptome

  • Feine, helle Punktierungen auf Blattoberseiten
  • Unruhige, springende Insekten bei Berührung
  • Uneinheitliches Blattbild in Hotspot-Zonen

Monitoring

  • Gelbtafeln in Kronenhöhe
  • Ränder und Eintragszonen engmaschig prüfen
  • Symptomkarten je Reihe führen

Prävention

  • Eintragsmanagement über Schleusen/Netze
  • Unkrautdruck um Kulturflächen reduzieren
  • Luftführung ohne Stresszonen optimieren

Biologische Maßnahmen

  • Frühzeitige mechanische Reduktion lokaler Befallsschwerpunkte
  • Biologische Kontaktmaßnahmen in Rotation
  • Nützlingsfenster stabil halten

Integrierte Strategie

  • Intervallbehandlung nach Populationsdruck
  • Befallsquellen außerhalb der Kultur beseitigen
  • Nachkontrolle nach 7 und 14 Tagen
Substrat-SchädlingeMittel1 Fotos

Trauermücken

Bradysia spp. (Sciaridae)

Adulte Mücken (Lästlinge) sind kaum direkt schädlich. Larven fressen an Feinwurzeln und Wurzelhaaren, was v.a. Keimlinge und Jungpflanzen stark schwächt. Sekundärinfektionen (Pythium, Fusarium) werden gefördert.

Umgebung: Indoor

Phase: Keimling

Größe: Adulte 2–4 mm (fliegend), Larven 5–8 mm (glasig-weiß, schwarzer Kopf)

Lebenszyklus: 21–28 Tage (Ei → Adult bei 22 °C)

Optimalbedingungen: Dauernasse Substratoberfläche, Temp. 18–25 °C, hoher Organikanteil

Schadensschwelle: ≥ 20 Adulte / Gelbtafel / Woche oder sichtbare Larven im oberen Substratbereich

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Symptome

  • Kleine schwarze Flieger über dem Substrat
  • Langsames Wachstum bei Jungpflanzen
  • Feine Wurzelverletzungen und Staunässespuren

Monitoring

  • Gelbtafeln auf Topfkante
  • Substratoberfläche auf Larven prüfen
  • Bewässerungsfrequenz protokollieren

Prävention

  • Substratoberfläche antrocknen lassen
  • Keine dauerhafte Staunässe
  • Töpfe und Drains regelmäßig reinigen

Biologische Maßnahmen

  • Nematoden (Steinernema feltiae)
  • BTI-Produkte im Gießwasser
  • Sand-/Mineraldeckschicht auf Substrat

Integrierte Strategie

  • Gießregime korrigieren + Nematoden
  • Leimtafeln zur adulten Reduktion
  • Substratwechsel bei massivem Dauerdruck
Wurzel-SchädlingeKritisch1 Fotos

Wurzelläuse (Cannabis Root Aphid)

Rhopalosiphum rufiabdominale / Pemphigus spp.

Versteckter Wurzelbefall, der klassische Mangelsymptome mimiert: Welken, Chlorosen, Wachstumsstopp trotz korrekter Düngung. Wachsige Kolonien an Feinwurzeln und Topfwänden. Extrem schwer zu eliminieren.

Umgebung: Indoor

Phase: Veg

Größe: 1,0–2,5 mm (wachsig-weiß, leicht mit Perlite verwechselbar)

Lebenszyklus: 14–21 Tage je Generation (asexuell, 30–60 Nymphen/Weibchen)

Optimalbedingungen: Warmes Substrat > 22 °C, stehende Feuchtigkeit, organische Substrate

Schadensschwelle: Jeder Nachweis → sofortige Isolierung (Null-Toleranz, da unterirdisch schwer kontrollierbar)

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Symptome

  • Mangelbild trotz korrekter Düngung
  • Schwacher Wurzelballen, geringes Wurzelweiß
  • Kein Erholungseffekt nach Fütterungsanpassung

Monitoring

  • Wurzelkontrolle bei Verdachtsfällen
  • Substrat-/Drain-Proben mikroskopisch prüfen
  • Vergleich vitaler vs. schwacher Pflanzen

Prävention

  • Sauberes, geprüftes Substrat verwenden
  • Mutterraum und Propagation strikt trennen
  • Keine unkontrollierten Pflanzentransfers

Biologische Maßnahmen

  • Nematoden und mikrobielles Wurzelmanagement
  • Substratreduktion in stark betroffenen Bereichen
  • Wurzeldruck durch Klima stabilisieren

Integrierte Strategie

  • Befallene Chargen isolieren
  • Systematische Sanierung der Bewässerungslinien
  • Nachsorge mit engmaschigem Root-Monitoring
Blatt-/BlütenfresserHoch1 Fotos

Raupen (Eulenfalter / Hanfzünsler)

Helicoverpa armigera / Ostrinia nubilalis (Lepidoptera)

Starke Fraß- und Bohrschäden in Blütenständen. Kotkrümel begünstigen Botrytis cinerea (Grauschimmel) als Sekundärpathogen. Nachtaktive Falter legen Eier direkt an Blüten.

Umgebung: Outdoor

Phase: Bluete

Größe: 10–40 mm (Larven, artabhängig), Eier 0,5 mm (halbkugelig)

Lebenszyklus: 25–40 Tage (Ei → Puppe), 1–3 Generationen/Jahr

Optimalbedingungen: Warme Sommernächte > 18 °C, Falterzuflug ab Dämmerung, dichte Blütenstände

Schadensschwelle: ≥ 1 Kotkrümel oder Fraßspur / Blütenstand → sofortige Inspektion + BT-Behandlung

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Symptome

  • Große Fraßlöcher in Blättern
  • Kotkrümel in Blütenständen
  • Lokaler Blütentod durch Einbohren

Monitoring

  • Tägliche Blütenkontrolle in Outdoor-Phasen
  • Frass und Kot früh markieren
  • Nachtkontrolle bei hohem Falterdruck

Prävention

  • Insektenschutznetze früh in der Saison
  • Lichtfallen außerhalb Anbaufläche
  • Regelmäßiges Entlauben dichter Zonen

Biologische Maßnahmen

  • Bacillus thuringiensis (BT) zielgerichtet
  • Mechanisches Absammeln
  • Präventivbehandlung vor kritischer Blüte

Integrierte Strategie

  • BT-Programm nach Wetterfenster planen
  • Befallene Buds sofort entfernen
  • Botrytis-Nachsorge in betroffenen Bereichen
Blatt-/BlütenfresserMittel1 Fotos

Minierfliegen

Liriomyza trifolii / L. huidobrensis (Agromyzidae)

Charakteristische serpentinenartige Minen im Blattmesophyll reduzieren Photosyntheseleistung um 15–40 % pro befallenes Blatt. Einstichstellen der Adulten dienen als Eintrittspforten für Pathogene.

Umgebung: Indoor + Outdoor

Phase: Veg

Größe: Adulte 1,5–2,5 mm (schwarz-gelb), Larven 2–3 mm in Blattmesophyll

Lebenszyklus: 17–25 Tage (Ei → Adult bei 25 °C)

Optimalbedingungen: 20–30 °C, eingeschleppte Adulte über Zuluft oder Pflanzenmaterial

Schadensschwelle: ≥ 3 aktive Minen / Pflanze oder > 15 % Blattfläche geschädigt

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Symptome

  • Weiße, serpentinenartige Fraßgänge
  • Punktförmige Einstichstellen
  • Verringertes Blattflächenwachstum

Monitoring

  • Blattkontrolle auf neue Tunnel
  • Gelbtafeln gegen adulte Fliegen
  • Befallsverlauf pro Zone kartieren

Prävention

  • Frühe Entdeckung in Jungpflanzenphase
  • Lüftungsöffnungen mit Insektenschutz
  • Beschädigte Blätter zeitnah entfernen

Biologische Maßnahmen

  • Nützlinge (Diglyphus isaea)
  • Lokales Entfernen stark befallener Blätter
  • Intervallkontrolle auf Neuschlupf

Integrierte Strategie

  • Nützlinge + Hygiene kombiniert einsetzen
  • Rotationsprinzip für Kontaktmittel
  • Nachkontrolle über mindestens 2 Wochen
Saugende SchädlingeKritisch1 Fotos

Breitmilben (Broad Mites)

Polyphagotarsonemus latus (Banks, 1904)

Mikroskopisch kleine Milben (0,2 mm), die mit ihrer toxischen Speichelinjizierung massives Verkrüppeln junger Triebe verursachen. Wird häufig als Nährstoffmangel, Herbizidschaden oder Genetikfehler fehldiagnostiziert. Eine der am häufigsten übersehenen Schädlinge im Cannabis-Anbau.

Umgebung: Indoor

Phase: Veg

Größe: 0,1–0,2 mm (mit bloßem Auge NICHT sichtbar, Mikroskop ab 60× nötig)

Lebenszyklus: 5–7 Tage (Ei → Adult bei 25 °C, extrem schnell)

Optimalbedingungen: Temp. 20–30 °C, RLF > 60 %, geschützte Triebspitzen und Blütenansätze

Schadensschwelle: Jeder Verdacht (verkrüppelte Triebspitzen) → sofortige Mikroskopkontrolle + Behandlung

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Symptome

  • Verkrüppelte, glasig-glänzende Triebspitzen (Epinastie)
  • Blattränder rollen sich nach unten, werden ledrig und spröde
  • Neuwachstum wirkt verdickt, verdreht, ‚aufgeblasen'
  • Scheinbar nährstoffbedingte Wachstumsstörung, reagiert nicht auf Düngung
  • Blütenansätze verformen sich, ‚popcorn buds' ohne Trichome

Monitoring

  • Mikroskop ab 60× an Triebspitzen (Adulte und glänzende Eier auf Blattunterseite)
  • Vergleich gesunder vs. verdächtiger Triebe unter gleichen Bedingungen
  • Ausschlussdiagnose: Normaler pH/EC, kein Herbizidkontakt → Breitmilbenverdacht

Prävention

  • Strikte Quarantäne aller Neuzugänge (min. 14 Tage) mit Mikroskop-Check
  • Mutterpflanzen regelmäßig auf Triebspitzenanomalien prüfen
  • Klimaführung optimieren: RLF-Schwankungen > 80 % vermeiden

Biologische Maßnahmen

  • Raubmilben Amblyseius andersoni oder A. californicus (breites Beutespektrum)
  • Neem-Azadirachtin-Präparate nach Herstellervorgabe, 3× im 5-Tage-Intervall
  • Kaliseife-Sprühung als Kontaktmittel auf Triebspitzen und junge Blätter

Integrierte Strategie

  • Befallene Triebspitzen sofort entfernen und entsorgen (nicht kompostieren)
  • Ablufttemperatur kurzzeitig > 33 °C senkt Milbenfertilität (Hitzeschock-Methode)
  • 3 Behandlungszyklen im 5-Tage-Abstand, um alle Lebensstadien zu erfassen
  • Nachkontrolle unter Mikroskop an Tag 7, 14 und 21 nach letzter Behandlung
Saugende SchädlingeKritisch1 Fotos

Hanfrostmilbe (Hemp Russet Mite)

Aculops cannabicola (Farkas, 1960)

Cannabis-spezifischer Eriophyid-Milbe (nur 0,2 mm). Besiedelt bevorzugt Trichomzonen und zerstört Harzdrüsen. Aufwärtswanderung von unten nach oben, oft erst bei massivem Befall der Blüten bemerkt.

Umgebung: Indoor + Outdoor

Phase: Alle Stadien

Größe: 0,15–0,20 mm (nur unter Mikroskop sichtbar, wurmförmig)

Lebenszyklus: 21–30 Tage je Generation bei 25 °C

Optimalbedingungen: Temp. 22–30 °C, trockenes Klima, besiedelt Trichomzonen

Schadensschwelle: Bronzefärbung an Basalblättern → Befall oft schon fortgeschritten. Prävention entscheidend.

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Symptome

  • Gelblich-bronzene Verfärbung der unteren Blätter (Aufwärtsprogression)
  • Blattränder rollen sich nach oben, Blätter wirken glänzend/ölig
  • Trichome werden zerstört: Blüten ohne Harz, flache/braune Drüsenköpfe
  • Gesamte Pflanze wirkt ‚ausgetrocknet' trotz normaler Bewässerung
  • Schwerer Befall: Kompletter Blattverlust von unten nach oben

Monitoring

  • 30-60× Handmikroskop: Wurmförmige Milben (4 Beine, kein Spinngewebe) an Blattstielen und Trichombasen
  • UV-Taschenlampe: Beschädigte Trichome fluoreszieren anders als gesunde
  • Basalblätter monatlich auf Bronzefärbung kontrollieren, besonders in der Blütephase

Prävention

  • Quarantäne und Mikroskop-Screening jeder Neupflanze (Stiel und Blattunterseite)
  • Separate Kleidung/Handschuhe pro Raum (Milben haften an Textilien)
  • Mutterpflanzen-Bestand regelmäßig rotieren und Altstöcke entsorgen

Biologische Maßnahmen

  • Schwefelbasierte Kontaktmittel in Vegetationsphase (vor Blüte!), 2× im Wochenintervall
  • Neemöl-Sprühung wöchentlich in Veg, Mindestabstand 3 Wochen vor Ernte
  • Raubmilben Amblyseius andersoni als Dauerbesatz präventiv

Integrierte Strategie

  • Befallene Pflanzen isolieren, befallene untere Blattschichten komplett entlauben
  • Sprühen von unten nach oben (Milben wandern aufwärts)
  • Befallene Blütenbestände bei starkem Befall nicht erntefähig – Totalverlust vermeiden durch Frühintervention
  • Post-Harvest: Raum komplett reinigen, 48h > 35 °C oder Ozon-Behandlung
Saugende SchädlingeMittel1 Fotos

Schildläuse

Coccidae / Diaspididae

Sessile Sauger mit festem Schutzschild auf Stängeln und Blattstielen. Oft spät entdeckt, da immobil und gut getarnt. Honigtau-Produktion und Schwächung der Pflanze.

Umgebung: Indoor

Phase: Alle Stadien

Größe: 1–6 mm (flach-oval, sessil, braun/schwarz Schild)

Lebenszyklus: 30–60 Tage (artabhängig)

Optimalbedingungen: Warme, geschützte Standorte, trockene Bedingungen, verholzte Stängel

Schadensschwelle: ≥ 5 sessile Schilder / Stängelabschnitt (30 cm)

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Symptome

  • Braune, ovale, erhabene Krusten an Stängeln und Blattstielen
  • Klebrige Honigtau-Flecken unter befallenen Bereichen
  • Lokale Wachstumsdepression, Gelbfärbung benachbarter Blätter
  • Schwer abkratzbare ‚Punkte' (nicht mit Substratpartikeln verwechseln)

Monitoring

  • Stängel und Verzweigungspunkte visuell inspizieren (alle 2 Wochen)
  • Honigtau-Streifen auf benachbarten Blättern als Frühindikator
  • Leichtes Abkratzen verdächtiger ‚Punkte' → weicher Körper darunter = Schildlaus

Prävention

  • Quarantäne-Prüfung an Stängeln bei Neuzugängen
  • Regelmäßige Stängelinspektion v.a. an Mutterpflanzen und Langzeitkulturen
  • Übermäßige Stickstoffdüngung vermeiden (weichzelliges Gewebe wird bevorzugt)

Biologische Maßnahmen

  • Mechanisches Entfernen per Pinzette oder Zahnbürste + Isopropanol (70 %)
  • Nützlinge: Marienkäfer (Chilocorus spp.) oder Schlupfwespen (Metaphycus spp.)
  • Ölpräparate (Rapsöl 2 %) im Intervall, um Crawler-Stadien zu treffen

Integrierte Strategie

  • Starke Herde: Betroffene Triebabschnitte zurückschneiden und entsorgen
  • Crawler-Wanderphase abpassen (einziges mobiles Stadium, 1–2× pro Generation)
  • Nachkontrolle 14 und 28 Tage nach Behandlung auf Rekolonisation
Substrat-SchädlingeNiedrig1 Fotos

Springschwänze (Collembola)

Collembola (diverse Gattungen)

Kleine, springende Substratbewohner, die meist organisches Material und Pilze fressen. Werden oft fälschlich als Schädlinge behandelt, sind aber Nützlinge im Bodenökosystem. Nur bei extremem Massenbefall und Keimlingen relevant.

Umgebung: Indoor

Phase: Alle Stadien

Größe: 0,5–3 mm (weiß bis grau, springen bei Störung)

Lebenszyklus: 14–21 Tage je Generation

Optimalbedingungen: Feuchtes Substrat, hoher Organikanteil, Temp. 15–25 °C

Schadensschwelle: In der Regel harmlos – kein Eingriff nötig. Nur bei Massenbefall an Sämlingen relevant.

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Symptome

  • Kleine weiße/graue Tiere springen bei Substratberührung weg
  • Fraßspuren an feinen Wurzelhaaren bei Massenbefall (selten)
  • In der Regel keine sichtbaren Pflanzenschäden

Monitoring

  • Substratoberfläche beobachten nach Gießen
  • Bei Verdacht: Feuchtes Tuch über Substrat legen und nach 24h kontrollieren
  • Nicht mit Trauermücken-Larven oder Wurzelläusen verwechseln

Prävention

  • Substratfeuchte nach Bedarf regulieren, nicht dauerhaft nass
  • Vermeidung übermäßiger organischer Auflagen (Mulch, Kompost) auf der Oberfläche

Biologische Maßnahmen

  • Meist kein Eingriff nötig – sind Teil eines gesunden Bodenlebens
  • Bei Massenbefall: Substratoberfläche abtrocknen lassen
  • Kein Gift einsetzen – eher Klima/Gießregime anpassen

Integrierte Strategie

  • Gießfrequenz reduzieren, Drainage verbessern
  • Nur bei nachweislichem Wurzelschaden an jungen Sämlingen: Nematoden (Steinernema) als Ultima Ratio
Wurzel-SchädlingeHoch1 Fotos

Wurzelgallennematoden

Meloidogyne spp. (M. incognita, M. javanica)

Endoparasitische Rundwürmer, die charakteristische Gallen (Knoten) an Wurzeln verursachen. Beeinträchtigte Wasser- und Nährstoffaufnahme führt zu Welke, Chlorosen und Kümmerwuchs. Bodenmüdigkeit bei wiederholtem Anbau.

Umgebung: Indoor + Outdoor

Phase: Veg

Größe: 0,5–1,0 mm (Larven, mikroskopisch; Gallen sichtbar)

Lebenszyklus: 25–35 Tage je Generation bei 25 °C

Optimalbedingungen: Warmes Substrat > 20 °C, sandige/lockere Böden, wiederverwendete Erde

Schadensschwelle: Sichtbare Gallen an Wurzeln → Befall bestätigt. Prävention entscheidend.

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Symptome

  • Unregelmäßige Verdickungen (Gallen) an Feinwurzeln und Hauptwurzeln
  • Welke trotz ausreichender Bewässerung
  • Chlorosen und ungleichmäßiges Wachstum im Bestand
  • Wurzelsystem braun, knotig, reduzierte Seitenwurzelbildung

Monitoring

  • Wurzelkontrolle bei Umtopfen oder Verdacht (Gallen mit Lupe bestätigen)
  • Bodenproben-Analyse bei wiederverwendeten Substraten
  • Schwache Pflanzen trotz guter Düngung als Warnsignal

Prävention

  • Nur frisches, steriles Substrat verwenden – gebrauchte Erde nie ohne Sterilisation wiederverwenden
  • Zugekaufte Stecklinge und Jungpflanzen: Wurzeln auf Gallen kontrollieren
  • Antagonistische Pilze (Paecilomyces lilacinus) präventiv einsetzen

Biologische Maßnahmen

  • Nützliche Nematoden (Steinernema, Heterorhabditis) sind NICHT gegen Meloidogyne wirksam – keine Verwechslung!
  • Biologische Bodenentseuchung: Kreuzblütler-Gründüngung (Biofumigation mit Senf/Ölrettich)
  • Pilzpräparate mit Purpureocillium lilacinum gegen Nematoden-Eier

Integrierte Strategie

  • Befallenes Substrat komplett entsorgen (nicht im Garten verwenden)
  • Solarisation bei Outdoor: Folie auf nassem Boden für 4–6 Wochen
  • Resistente Genetik bevorzugen bei bekanntem Nematoden-Standort
  • Fruchtfolge bei wiederholtem Outdoor-Anbau: Cannabis-Freie Rotation alle 2 Zyklen
Blatt-/BlütenfresserMittel1 Fotos

Erdflöhe (Hanferdfloh)

Psylliodes attenuatus (Koch, 1803) / Phyllotreta spp.

Kleine, springende Blattkäfer mit charakteristischem Lochfraß (‚Schrotschuss-Muster'). Psylliodes attenuatus ist wirtsspezifisch auf Hanf. Hauptschaden an Keimlingen und Jungpflanzen, etablierte Pflanzen tolerieren mäßigen Befall.

Umgebung: Outdoor

Phase: Veg

Größe: 1,5–3,0 mm (metallisch-grün/blau/schwarz, kräftige Hinterbeine)

Lebenszyklus: 30–45 Tage (Ei → Adult), 1–2 Generationen/Jahr

Optimalbedingungen: Warme, trockene Tage (> 20 °C), Outdoor-Direktkultur, lockerer Boden

Schadensschwelle: ≥ 20 % Blattfläche mit Lochfraß oder > 5 Käfer/Pflanze bei Jungpflanzen

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Symptome

  • Rundliche Löcher (1–3 mm) im ‚Schrotschuss-Muster' auf Blättern
  • Skelettfraß an Keimblattern und ersten echten Blättern kann Totalausfall verursachen
  • Käfer springen bei Annäherung sofort weg (diagnostisch)
  • Larven im Boden können an Wurzeln fressen (sekundär)

Monitoring

  • Visuelle Kontrolle junger Pflanzen, besonders ersten 4 Wochen nach Auspflanzung
  • Leimtafeln auf Bodenhöhe (gelb/weiß) zum Populationsmonitoring
  • Morgens oder bei Kühle prüfen (Käfer weniger sprungaktiv)

Prävention

  • Direktsaat-Keimlinge mit Vlies oder Kulturschutznetz abdecken (< 0,8 mm Maschenweite)
  • Jungpflanzen indoor vorziehen und erst als kräftige Pflanzen auspflanzen
  • Mulch: Feuchter Bodenmulch reduziert Käfer-Aktivität

Biologische Maßnahmen

  • Neem-basierte Spritzungen (Azadirachtin) als Fraßhemmer bei starkem Befall
  • Spinosad als Bio-Spritzung zugelassen in vielen EU-Ländern für Käfer
  • Nützlings-Nematoden (Steinernema carpocapsae) gegen Larven im Boden

Integrierte Strategie

  • Kulturschutznetze sind die effektivste Maßnahme (mechanische Barriere)
  • Trockenstress vermeiden (gestresste Pflanzen werden stärker befallen)
  • Fangpflanzen (Senf) am Feldrand können Käfer ablenken
  • Kräftige Pflanzen tolerieren 20–30 % Fraß ohne signifikanten Ertragsverlust
Blatt-/BlütenfresserHoch1 Fotos

Nacktschnecken

Arion vulgaris / Deroceras reticulatum (Gastropoda)

Nachtaktive Weichtiere mit massivem Fraßpotenzial, besonders an Keimlingen und Jungpflanzen. Können eine Jungpflanze in einer Nacht komplett vernichten. Schleimspuren als diagnostisches Merkmal.

Umgebung: Outdoor

Phase: Keimling

Größe: 20–120 mm (artabhängig), Eier 2–3 mm (kugelrund, transparent)

Lebenszyklus: 30–40 Tage (Ei → fressaktiv), bis 400 Eier/Tier/Jahr

Optimalbedingungen: Feucht, 10–20 °C, Nachtaktivität, Regenphasen

Schadensschwelle: Jeder sichtbare Fraßschaden an Keimlingen → sofort handeln

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Symptome

  • Große, unregelmäßige Fraßlöcher an Blatträndern und -flächen
  • Keimlinge und junge Blätter über Nacht komplett abgefressen
  • Silbrig-glänzende Schleimspuren auf Blättern, Substrat und Töpfen
  • Kotkrümel (dunkel, kegelförmig) nahe Fraßstellen

Monitoring

  • Abendliche/nächtliche Kontrolle mit Taschenlampe (Hauptaktivität 22–04 Uhr)
  • Bierfallen: Becher bodenbündig eingraben (Monitoring, nicht Bekämpfung)
  • Schleimspuren morgens auf Substrat und Pflanze prüfen

Prävention

  • Schneckenzaun um Anbaufläche (Kupferband oder Spezialzaun)
  • Substratoberfläche trocken halten, kein Mulch direkt am Stängel
  • Umfeld aufräumen: Verstecke (Bretter, Steine, Laub) entfernen
  • Pflanzen in erhöhte Gefäße oder auf Kupferfolie-Untersetzer stellen

Biologische Maßnahmen

  • Eisen-III-Phosphat-Schneckenkorn (biologisch abbaubar, unbedenklich für Igel/Vögel)
  • Nematoden Phasmarhabditis hermaphrodita als Gießmittel bei > 5 °C Bodentemp.
  • Mechanisches Absammeln abends (konsequent, über 2–3 Wochen)

Integrierte Strategie

  • Kupferband um Töpfe/Hochbeete (Kupfer = Kontaktbarriere für Schnecken)
  • Förderung natürlicher Fressfeinde: Igel, Laufkäfer, Blindschleichen, Enten
  • Kombination aus Barrieren + Schneckenkorn + Absammeln für optimale Wirkung
  • Kein Metaldehyd verwenden (giftig für Haustiere und Nützlinge)
Blatt-/BlütenfresserMittel1 Fotos

Gallmücken (Blattgallmücke)

Contarinia spp. / Dasineura spp. (Cecidomyiidae)

Winzige Mücken, deren Larven in Pflanzenge webe Gallen (knotenartige Wucherungen) induzieren. Beeinträchtigen Photosynthese und Nährstofftransport lokal. In Cannabis eher selten, aber zunehmend bei Outdoor-Kulturen.

Umgebung: Outdoor

Phase: Veg

Größe: Adulte 1–3 mm (zierliche Mücken), Larven 2–3 mm (orange-rot)

Lebenszyklus: 14–21 Tage je Generation

Optimalbedingungen: Feuchte Bedingungen, Temperatur 15–25 °C, dichter Bestand

Schadensschwelle: ≥ 5 % der Blätter/Triebe mit Gallenbildung

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Symptome

  • Kleine, knotenartige Wucherungen (Gallen) an Blättern, Stielen oder Triebspitzen
  • Verdrehte oder eingerollte Blattbereiche mit orangenen Larven im Inneren
  • Lokale Wachstumsdepression, verkrüppelte Triebspitzen

Monitoring

  • Blätter und Triebe auf ungewöhnliche Verdickungen/Verformungen prüfen
  • Gallen vorsichtig öffnen → orange/rote Larven bestätigen Gallmücken
  • Gelbtafeln gegen adulte Mücken

Prävention

  • Gute Belüftung des Bestands
  • Befallene Pflanzenteile frühzeitig entfernen und entsorgen
  • Unkrautmanagement am Feldrand (Alternativwirte reduzieren)

Biologische Maßnahmen

  • Befallene Triebe/Blätter abschneiden und vernichten (Larven in Gallen)
  • Nützlinge: Diverse Gallmücken-Parasitoide (Platygaster, Torymus spp.)
  • Neem-basierte Mittel gegen adulte Mücken zur Eiablage-Hemmung

Integrierte Strategie

  • Mechanische Entfernung befallener Pflanzenteile ist effektivste Maßnahme
  • Bei schwerem Befall: Bestand ausdünnen für bessere Luftzirkulation
  • Nachkontrolle 2–3 Wochen nach Entfernung auf Neubefall

Nützlinge pro Schädling

Schnellmatrix für Auswahl und Ausbringungszeitpunkt.

SchädlingNützlingZielstadiumEinsatzfenster
SpinnmilbenPhytoseiulus persimilisEier + mobile StadienFrühphase bis mittlerer Befall
ThripseAmblyseius swirskii / cucumerisLarvenPräventiv und bei ersten Symptomen
Weiße FliegenEncarsia formosaLarven/PuppenStabiler Indoor-Zyklus
BlattläuseFlorfliegenlarven / MarienkäferKolonien an TriebenFrüh bis mittel
TrauermückenSteinernema feltiaeLarven im SubstratBei steigender Fliegerzahl
MinierfliegenDiglyphus isaeaLarven in BlattminenFrüher Befall
BreitmilbenAmblyseius andersoni / A. californicusAlle mobilen StadienPräventiv ab Veg-Phase und bei Verdacht
RostmilbenAmblyseius andersoni (Dauerbesatz)Adulte + NymphenPräventiv, dauerhaft in Risikokulturen
WurzelläuseSteinernema feltiae + Beauveria bassianaLarven/Nymphen im SubstratBei erstem Nachweis, Substratapplikation
Raupen / HanfzünslerTrichogramma spp. (Ei-Parasitoide)Eier (vor Larvenentwicklung)Präventiv in Blütephase bei Falterdruck
SchneckenPhasmarhabditis hermaphrodita (Nematoden)Jungschnecken im BodenAb 5 °C Bodentemperatur, feucht ausbringen
ErdflöheSteinernema carpocapsae (Nematoden)Larven im BodenVor/während Hauptflugzeit

24h-Ampel: Sofortmaßnahmen

Was in den ersten 24 Stunden nach Befallsfund passieren sollte.

Rot: Sofort isolieren

  • Befallene Zonen und Werkzeuge trennen
  • Stark befallene Pflanzenteile entfernen
  • Befallsschwerpunkte markieren und die Fotodokumentation starten

Gelb: Befallsdruck messen

  • Lupe/Leimtafeln einsetzen und Befallsklasse definieren
  • Klimadaten (Temp/RLF) gegen Sollwerte prüfen
  • Eintragsquelle (Material, Kleidung, Zuluft) identifizieren

Grün: IPM-Plan starten

  • Nützlings- oder Maßnahmen-Programm je Schädling auswählen
  • Intervalltermine für 7, 14 und 21 Tage setzen
  • Erfolgskriterien vorab definieren

Vertiefung · Hintergrundartikel

Weiterführende Wiki-Artikel

Hintergrundartikel zu Prävention, Hygiene und Umweltfaktoren im professionellen Schädlingsmanagement.

Externe Internetquellen

Direkte Referenzen für vertiefende IPM- und Artenrecherche.